Geh Deinen Weg - Bildungsaufsteiger an der Hochschule OWL

Hier findet Ihr die Vorstellung von Mitarbeiter*innen der Hochschule Ostwestfalen-Lippe, die von Ihrem beruflichen Werdegang berichten. Was für verschiedene schulische und berufliche Station haben die unterschiedlichen Persönlichkeiten durchlaufen? Welchen Schwierigkeiten und welchen Hilfestellungen sind sie dabei begegnet? Würden sie den gleichen Weg noch einmal einschlagen? Und was sind ihre besten Tipps für ein glückliches und erfolgreiches Berufsleben? Die Mut machenden Werdegänge findet Ihr hier. Lasst Euch inspirieren!

 

Claudia Fries – Die Vizepräsidentin
Qualitätsentwicklung und Infrastruktur

ClaudiaFries

Nach dem Abitur bin ich ein Jahr durch die Weltgeschichte getingelt, weil ich rauskriegen wollte, was ich wirklich machen möchte. Ich war relativ früh, mit knapp 18 Jahren fertig. Mein Traum war es eigentlich, Medizin zu studieren. Dafür hat mein Abi-Schnitt leider nicht gereicht. Deswegen habe ich erst einmal alles Mögliche ausprobiert, sechs oder sieben verschiedene Praktika gemacht und mich nach einem halben Jahr in einem Kölner Büro sehr bewusst für ein Architektur Studium entschieden. Das war zwar nicht mein erster Wunsch, aber für mich ein guter Kompromiss. Genauso wie bei der Medizin, benötigt man zur Ausübung dieses Berufes Empathie. Man bewegt sich auf einer emotionalen Ebene. Das hat mich gereizt!

Meine Eltern waren bei der Entscheidung, welchen beruflichen Weg ich einschlage, völlig offen. Beide haben nicht studiert. Mein Vater ist Gürtlermeister, ein ganz alter Beruf, und meine Mutter ist Blumenbinderin. Beide mussten als Kriegskinder die Schule verlassen und eine Lehre machen. In meine Überlegung, ob ich studiere oder eine Ausbildung an die Schule anschließe haben sie nie versucht zu beeinflussen. Ich fühlte mich aber stets unterstützt. In meiner Generation haben die meisten Eltern generell noch nicht so viel Einfluss auf die Berufswahl genommen, die Eigenverantwortung war deutlich höher. Heute ist das ein völlig anderer gesellschaftlicher Umgang mit Kindern, der in meinen Augen auch dazu führt, dass die Hochschule mehr Hilfestellungen leisten muss. Die Fähigkeit zur Selbstorganisation und Eigenverantwortung ist deutlich bei jungen Menschen gesunken.

Mich hat damals niemand an die Hand genommen. Im Gegenteil! In der Orientierungsstufe (5./ 6. Klasse) hatte ich in Mathematik immer eine 1. Mein Mathe-Lehrer hat mir aber ins Gesicht gesagt, er würde mich für unfähig halten auf ein Gymnasium zu gehen. Ich habe ganz, ganz lange überlegt, ob ich ihm eine Kopie meines Diplom-Zeugnisses zuschicken sollte, so sehr hing mir diese Aussage nach. Daraus hat sich zum Glück ein „Den zeige ich es!“-Ehrgeiz entwickelt. Aber es gab niemanden der mir gesagt hätte: „Komm, geh mal studieren!“ Ab der Oberstufe war mir irgendwie klar, dass ich studieren werde. Obwohl ich in einem ländlichen Umfeld aufgewachsen bin, da haben sehr viele Mitschülerinnen direkt nach dem Abitur geheiratet.

Studiert habe ich in Stuttgart. Für mich war die größte Schwierigkeit, vom „Norden“ kommend mit der Mentalität und Sprache in Baden Württembergklar zu kommen. Wir sind mit einem Jahrgang von 450 Studierenden gestartet. Davon waren 8 Prozent „Ausländer“, also nicht aus BaWü stammend. Am Anfang habe ich meine Kommilitonen während der Gruppenarbeit nicht verstanden, weil die so breites Schwäbisch gesprochen haben. Aber auch die Kultur, die Mentalität ist anders. Das war wirklich richtig schwierig! Das würde ich heute auch jedem sagen, dass das eine Hürde mehr ist. Wir Norddeutschen haben uns dann zusammengeschlossen. Ansonsten muss man das einfach durchstehen, da einfach durchmarschieren.

Neben meinem Studium habe ich auch immer schon gearbeitet. So hatte ich mit 22 Jahren bereits während des Studiums meine erste Baustelle. Dabei war ich von Anfang an selbstständig. Wenn man so jung ist, braucht man gar keine großartige Motivation. Man rennt automatisch, man will einfach etwas erreichen. Und Stuttgart ist für Architekten zudem ein sehr ambitioniertes Umfeld, da sind sehr viele Architekten und sehr gute Architektur. Da misst man sich und kriegt von selbst Ehrgeiz.

Schlussendlich hatte ich ein Büro mit 25 Leuten. Währenddessen habe ich viel gemeckert, was ich so für Leute von der Uni kriege, wie wenig die wissen. Da hat irgendwann ein Kollege gesagt: „Ja, dann musst du etwas dagegen tun! Meckern alleine nützt nichts!“ Und hat mir die Stellenausschreibung der Hochschule hingelegt. So kam ich zu meiner Professur in Detmold. Reiner Zufall! Das war nichts Geplantes, kein von mir anvisierter Traum.

Ich habe 1999 mit 35 Jahren in Detmold angefangen. Sehr schnell bin ich dann von Kollegen gebeten worden, in das Dekanat des Fachbereiches zu gehen. Und nach 11 oder 12 Jahren an der Hochschule hat mich Oliver Herrmann gefragt, ob ich Lust auf das Präsidium hätte. Von daher war das auch wieder zufällig und nicht mein Plan oder Ziel. Das waren einfach Möglichkeiten, die sich geboten haben und die ich dann spontan abgewogen habe. Chancen ergeben sich immer wieder im Leben. Man muss sie nur auch sehen! Und man muss den Mut haben diese Schritte zu gehen.

Deswegen würde ich jungen Menschen auf der Suche nach einem geeigneten beruflichen Lebensweg immer empfehlen, einen Bereich zu finden, der ihnen gut liegt, der zu ihnen passt. Das muss noch nicht einmal das sein, was man sich erträumt hat, was einen begeistert. Wenn es etwas ist, was einem liegt, dann findet man immer einen guten Weg! Dann sieht man auch Möglichkeiten. Ich glaube, das Schlimmste, was man machen kann, ist ein Studium oder eine Ausbildung zu wählen aus arbeitsmarktpolitischen Gründen oder aus Erwägungen wie: „Da werden gerade Leute gesucht“ oder „Da verdienst du später viel Geld, mach doch mal das“. Wenn einem das gar nicht liegt, wird man damit nicht glücklich! Man muss aufpassen, wie viel Einfluss vom Umfeld man sich gefallen lässt. Da ist ein Stück Selbstbestimmung, Eigenständigkeit und in sich hineinhören wahrscheinlich das aller Beste.

Ich habe das Jahr nach dem Abitur genau dafür genutzt und hab bei einer Schneiderin gearbeitet, ich war in einer Töpferei, eine Weile im Krankenhaus… alles was ich mir so vorstellen konnte, ganz Querbeet. Einfach noch einmal bevor man von der Schule in die nächste Ausbildung stolpert zu gucken, wo man hin möchte. Das hat mir sehr gut getan. Das gibt ein gutes Stück Sicherheit. Ein Jahr ist ja im gesamten (Berufs-) Leben gar nichts! Egal ob man sich bereits sicher ist oder nicht. Einfach noch mal zu schauen, ob das Bild, das man sich von einem Beruf macht, denn auch mit der Realität übereinstimmt und man nicht einer völlig verschrobenen Vorstellung folgt. Auf welchen Beruf lasse ich mich tatsächlich ein? Mit welchen Tätigkeiten ist dieser im realen Leben verbunden? Das würde ich jedem aus vollem Herzen empfehlen, sich einfach noch einmal die Zeit dafür zu nehmen, dies zu überprüfen und sich im Vorfeld zu orientieren!

Zusammenfassung eines Interviews

 

Alexandra Specht – Die Projektkoordinatorin

AlexandraSpecht

In der Schule war ich eine eher durchschnittliche Schülerin mit Schwerpunktinteressen in den sportlichen oder künstlerischen Fächern. Sprachen lagen mir zwar, aber ich war schlichtweg zu faul, um Vokabeln zu lernen. Textinterpretationen waren einfach nicht mein Ding und Mathe habe ich erst im Abitur so richtig verstanden. Das waren die Gründe, warum ich länger als die meisten für mein Abi brauchte und erst mit 21 die Schule abschloss. ABER: Ich habe es geschafft, auch wenn ein Lehrer von mir mal sagte, ich solle doch lieber abbrechen. Ich würde es eh nicht schaffen. Ich habe ihm das Gegenteil bewiesen. Nicht als Einserkandidatin, aber geschafft!

Ich bin dann meiner Leidenschaft nachgegangen und habe eine Aus- und Weiterbildung zur Tanzlehrerin absolviert. Schon im ersten Lehrjahr war mir klar, dass ich das nicht bis zur Rente machen wollte. Doch Aufgeben kam für mich nicht in Frage, auch nicht, als ein Kollege mich bei jeder sich bietenden Gelegenheit schlecht machte. Heute würde man wohl ‚Mobbing‘ dazu sagen. Ich schloss meine Weiterbildung als Einserkandidatin ab und arbeitete noch einige Jahre in diesem Bereich , bis ich mich ausgelöst durch meinen damaligen Lebensgefährten entschloss, noch ein Unistudium zu beginnen: Erziehungswissenschaft und Psychologie, Schwerpunkt Personalentwicklung, Erwachsenenweiterbildung und Berufliche Bildung. Das Studium finanzierte ich zum Teil über die Tanzlehrer-Tätigkeit. Eine Zeit, in der ich lernte, die vielen verschiedenen Dinge in meinem Leben unter einen Hut zu bringen.

Während des Studiums war ich mit einem Mann mit zwei Kindern liiert (er war geschieden). Seine Tochter wohnte bei ihm, der Sohn (Behinderung Reye-Syndrom) bei der Mutter. Ich hab mich also neben Studium, Nebenjob Tanzlehrerin und einer gelegentlichen Tätigkeit bei Messen auch um Haushalt und Kinder gekümmert. Während des Studiums unterstützte ich meinen Partner bei einer depressiven Erkrankung. 1 Monat vor meiner letzten Prüfung erhielt er eine Krebsdiagnose und ich verschob diese letzte Prüfung um 2 Monate. Das war nicht immer leicht, doch auch das hab ich geschafft! Das Studium hab ich im Einserbereich abgeschlossen.

Nach dem Abschluss war ich in den unterschiedlichsten Bereichen tätig:

  • als Bewerbungscoach und Trainerin für Hartz IV-Empfänger
  • als QM (Qualitäts-Management)-Beauftragte einer Spedition mit Sonderaufgaben für die Geschäftsleitung
  • Projektkoordinatorin Praxis-OWL, Schwerpunkt Qualitätsmanagement (in dieser Zeit Vertretung Finanzen & Controlling Praxis-OWL, Vertretung Weiterbildungsorganisation Praxis-OWL, Zusatzaufgaben z.B. Marketing und Leitung AG Homepage)
  • nebenbei seit 2004-2010 und seit 2013 erneut Tanztrainerin im Verein
  • nebenbei zwischen 2003 und 2012 Standmanagement bei Gesundheits- und Esoterikmessen (Beratung bei Heilsteinen, Chakrenbalance, Kinesiologie etc.).

Eine Vielzahl von Tätigkeiten. Und doch war nichts davon in dem Bereich, dessen Schwerpunkt mein Studium hatte. Das mit dem Qualitätsmanagement hat sich einfach so entwickelt. Doch ich war stets bereit andere Wege zu gehen, als geplant in der Überzeugung, es irgendwann miteinander verbinden zu können oder von meinen unterschiedlichen Erfahrungen zu profitieren

Einen Tag nach Abgabe der Diplomarbeit 2010 fing ich an, über ein Thema für eine Dr.-Arbeit nachzudenken – viele Ideen, aber das Richtige war einfach nicht dabei. Vor ca. 1 Jahr hatte ich dann eine Idee, die viele Lebensabschnitte in Verbindung bringen würde. Sehr kurz danach erfüllte sich jedoch mein großer Herzenswunsch, und der ist nun 4 Monate alt und für meinen Mann und mich ein echtes Sonnenscheinchen. J Ende des Jahres verlasse ich nun die Hochschule für neue berufliche Herausforderungen. Bis dahin genieße ich die Zeit mit unserem Sohn.

Fazit: Ich halte mich für einen der glücklichsten Menschen überhaupt :)

 

Yvonne Berthiot - die Volontärin

YvonneBerthiot

„Wenn es mit dem Studium nicht klappt, werde ich einfach Radiomoderatorin“ – behauptete ich frech. Die Überzeugung, dies zu schaffen, hatte ich dank eines Tutoriums in meinem ersten Bachelorsemester, in dem ich einen Text vom Overheadprojektor fehlerfrei abgelesen hatte und das angeblich mit einer echten Radiostimme. Doch wie kam ich überhaupt in dieses Tutorium?

Aufgewachsen bin ich in der Stadt der schönen Giebel und der Karnevalshochburg Rietberg. Dass ich mal an einer Hochschule studiere, war für mich schon in der Grundschule klar – Meeresbiologin, Anwältin oder Ärztin wollte ich damals noch werden. Dort besuchte ich erst das Gymnasium und im Laufe der sechsten Klasse, aus familiären Gründen, die Hauptschule. Seit ich mich erinnern kann, war ich neugierig und wissenshungrig und so war für mich völlig klar, dass es nicht bei einem Hauptschulabschluss mit Qualifikationsvermerk bleibt. Im Jahr 2001, dem Jahr meines Abschlusses, starb meine Mutter, nachdem ich 1992 schon meinen Vater verloren hatte. Und so hatte ich einen denkbar ungünstigen Start am Berufskolleg Senne in Bielefeld, wo ich meine Ausbildung zur staatlich geprüften technischen Assistentin für Grafik-Design antrat. Aber zu der Zeit war das mein absoluter Traumberuf und ich kämpfte mich mal mehr, mal weniger gut durch die Ausbildung und machte zudem mein Fachabitur mit einem guten Ergebnis. Nur Grafik-Design, bemerkte ich damals recht schnell, war nicht das, was ich bis an mein Lebensende machen wollte. Ich wollte lernen, studieren und das an einer Universität. Also begann ich 2005 mein Abitur am Westfalen-Kolleg in Bielefeld. Nach anstrengenden drei Jahren hatte ich auch mein Abitur mit einem guten Ergebnis in der Tasche und war zufrieden. Ich hatte schon viel erreicht und wollte nun das Studentenleben genießen und endlich Wissen anhäufen. Meine Familie sah ein Studium sehr skeptisch, weil mein erwähltes Studienfach nicht dafür bekannt war, einem später ein großes Gehalt einzubringen.

Da mich aber ziemlich viele Fächer, vor allem geisteswissenschaftliche, interessierten, war die Wahl ganz schön schwer. Schlussendlich fiel nach reichlicher Überlegung meine Wahl auf das Fach Politikwissenschaft, das ich auch in Bielefeld studieren konnte. Das Studium kombinierte die Fächer Geschichte, Soziologie und Philosophie und war für mich einfach die perfekte Wahl. Ich persönlich finde es sehr anregend, mich immer wieder mit neuen und sehr verschiedenen Themen auseinanderzusetzen, die Vernetzungen herzustellen und zu diskutieren –genau das konnte ich hier. Meine Unithemen interessierten meine Familie kaum bei Besuchen, dafür war ich immer mehr als „Spießerin“ verschrien. Ich entwickelte mich persönlich weiter und wurde selbstbewusster, interessierte mich für aus ihrer Sicht uninteressante oder außergewöhnliche Themen wie Politik, Wissensmanagement, naturwissenschaftliche Bildung, Systemtheorie, Vegetarismus oder Geschlechterforschung. Unsere Meinungen divergierten häufig und wir entwickelten uns stark auseinander. Finanziell war es nie leicht. Meine Familie konnte mich nicht unterstützen und auch das BAföG reichte nicht immer, also ging ich neben dem Studium, genauso wie neben dem Abitur, jobben – teilweise fast täglich, um mir auch mal etwas leisten zu können, wie zum Beispiel ein Kinobesuch oder Bücher für´s Studium. Durch die viele Arbeit musste ich auch mal Prüfungen verschieben, was nicht bei jedem Professor oder jeder Professorin oder Freunden auf Verständnis stieß.

Meine wahre berufliche Leidenschaft fand ich innerhalb eines Praktikums, das ich 2009 in einer Wissenschafts-PR Agentur in Bonn machte. Public Relations für die Wissenschaft – das war genau mein Ding. Unendlich spannend, Kontakt mit vielen unterschiedlichen Leuten, schreiben, organisieren, kreativ sein. Das wollte ich irgendwann mal machen. Aber zu dem Zeitpunkt reizte mich auch die Forschung und so entschloss ich mich, etwas zu studieren, womit ich theoretisch beide Wege einschlagen konnte. Also studierte ich im Anschluss an meinen Bachelor noch im Master „History, Philosophy und Soziology of Science“ und setzt mich durchweg nur noch mit dem Thema Wissenschaft und Wissenschaftskommunikation auseinander. Gleichzeitig fing ich an, beim Hochschulmagazin der Uni Bielefeld zu arbeiten, machte Erfahrungen im journalistischen und redaktionellen Bereich und arbeitete beim Hochschulradio. Nach meinem Studium war ich kurze Zeit als Wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Didaktik der Chemie tätig. Das war eine sehr spannende und prägende Zeit, denn ich lernte unheimlich viel Neues. Doch ich merkte schnell, dass es mich nicht in der Forschung hält, sondern es mich in die Pressearbeit zieht und so bewarb ich mich deutschlandweit auf Volontariatsstellen, dem ersten Schritt auf der Karriereleiter im Pressebereich. Und es klappte: Heute bin ich als Volontärin in der Pressestelle der Hochschule OWL tätig und arbeite genau in dem Bereich und dem Job, in dem ich schon seit meinem Praktikum in Bonn arbeiten wollte.

Radiomoderatorin bin ich also nicht geworden, weil mich die wissenschaftsnahe Pressearbeit mehr reizt. Aber vielleicht lande ich irgendwann doch noch beim Hörfunk und berichte über spannende wissenschaftliche Themen oder ich gehe wieder in die Forschung und schreibe eine Doktorarbeit – wer weiß das schon? Ich bin noch nicht am Ende meiner Karriereleiter angekommen, aber ich bin weit gekommen und darauf bin ich stolz. Auch wenn ich etwas ändern könnte, würde ich alles so belassen und ich würde alles nochmal so machen. Nur durch die Erfahrungen, die ich gemacht habe, und die Entscheidungen, die ich getroffen habe, bin ich heute der Mensch, der ich bin. Meine Freunde und vor allem mein Verlobter haben mich immer wieder bestärkt, meinen Weg zu gehen, mich unterstützt und mich aufgebaut, wenn mal etwas schief lief. Außerdem war es immer wichtig, dass nicht nur andere glauben, dass ich es schaffen kann, sondern vor allem ich selbst. Deswegen glaubt immer an euch selbst, geht euren Weg und findet etwas, das euch beruflich genauso begeistert, wie all die faszinierenden neuen Dinge, die euch als Kind begegnen. Und wenn ihr so etwas gefunden habt, dann arbeitet darauf hin, genau in dem Job zu arbeiten. Genauso wie ich und wie die großartige Wissenschaftlerin Marie Curie: “All my life through, the new sights of nature made me rejoice like a child.” (Marie Curie, 1923)

 

Mathias Lohr - der wissenschaftlicher Mitarbeiter

MathiasLohr

Aufgewachsen in einem grünen Teil des Ruhrgebietes wurde mein Interesse für die Natur im Elternhaus schon sehr früh geweckt. In der Schule waren Themen der biologischen Vielfalt – Erleben von Pflanzen und Tieren – hingegen kaum vertreten. Dies ist ein bis heute in vielen Schulen leider weit verbreitetes Phänomen, insbesondere in städtischen Regionen. Meine Entscheidung, ein landschaftsplanerisch-biologisch orientiertes Studium aufzunehmen, konkretisierte sich dann – nach einer zweijährigen Ausbildung zum Schreiner – während meines Zivildienstes, den ich bei der Forstbehörde einer großen nordrhein-westfälischen Stadt absolvierte. Als praktisch orientierter Mensch entschied ich mich für ein Fachhochschulstudium an der damaligen Gesamthochschule Paderborn, Abteilung Höxter im Studienfach Landespflege.

Während des Studiums entwickelte sich meine Begeisterung für die Natur weiter. Prägend waren dabei vor allem die Erfahrungen, die ich während mehrerer Studienexkursionen und Geländepraktika in Südfrankreich erleben durfte. Dort war ich zunächst Teilnehmer, später auch Betreuer, der andere Studierende im Erwerb von Arten- und Methodenkenntnissen anleitete. Die Weitergabe und Vermittlung der Faszination an der Natur, der Vielfalt der Tiere und Pflanzen, waren dabei genauso wichtig wie die Erweiterung meines eigenen Erfahrungshorizontes. Eines meiner größten Hobbys – die Fotografie – war dabei auch eine wichtige Triebfeder, Dinge im Detail zu betrachten, genau zu beobachten. Während meiner Diplomarbeit durfte ich mich erstmals über einen längeren Zeitraum einem Forschungsthema intensiv widmen.

Nach dem Studium arbeitete ich als wissenschaftlicher Mitarbeiter an unserer Hochschule in einem Forschungsprojekt zur Renaturierung von Auenlandschaften. Die während des Studiums erworbenen Kenntnisse konnte ich dabei nicht nur anwenden, sondern auch vertiefen. Gleichzeitig war ich in Lehrveranstaltungen als Lehrender eingebunden, so dass die Weitergabe der Kenntnisse und Erfahrungen meinen Berufsweg begleitet.

ExkursionHerault

Dies funktioniert in meinen Augen besonders gut durch das hautnahe Erleben von Natur, Pflanzen und Tieren, das Lernen durch „Be-Greifen“. Für die Erfahrung von Natur und Umwelt bedeutet dies, dass vor allem Exkursionen – ob halb- oder eintägig in die unmittelbare Umgebung der Hochschule oder ein- bis zweiwöchig in weiter entfernte Ziele im In- und Ausland – nicht nur besonders effektiv das Lernen fördern, sondern auch eine nachhaltige Wirkung für den Lernerfolg und die Anwendung des Erlernten haben.

Neben meiner Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter an unserer Hochschule promovierte ich an einer großen nordrhein-westfälischen Universität. Ist das Schreiben einer Doktorarbeit für Absolventen von FH-Studiengängen oftmals als „Promotion über den zweiten Bildungsweg“ mit einigen Hürden verbunden, so habe ich persönlich sehr positive Erfahrungen dabei gemacht. Der Fachbereich, an dem ich promovierte, erkannte meine während der Forschung erworbenen Fähigkeiten und Kenntnisse als studienadäquate Leistungen an, so dass ich nur sehr wenige zusätzliche Module belegen musste.

Eine Erfahrung, die sicherlich viele – wenn nicht fast alle – Promovierenden machen: Sehr lange Zeit, oft viele Jahre, an einem Thema zu arbeiten, erfordert viel Begeisterung und Durchhaltevermögen. Wer die Motivation für ein bestimmtes Thema hat, sich dafür begeistert, der wird dabei aber auch die Chance begreifen, die die Bearbeitung eines Forschungsthemas über einen langen Zeitraum beinhaltet. Oftmals dringt man dabei in bis dahin vielleicht ungeahnte Tiefen vor und gelangt zu wirklich neuen Erkenntnissen – nicht nur für die Wissenschaft, sondern auch für sich selbst.

Ein Satz, den ich dabei zitieren möchte, stammt von Theodor Mommsen, einem deutschen Historiker, der zwischen 1817 und 1903 gelebt hat: „Ohne Leidenschaft gibt es keine Genialität“. Die Faszination und Anziehungskraft, die Forschungsobjekte ausüben können, sind die Triebfeder, neue Erkenntnisse zu gewinnen. Und neben der Leidenschaft ist es die Neugier, die meinen Forscherdrang lebendig hält. In diesem Sinne: Bleibt/Bleiben Sie neugierig!

Mathias Lohr ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachgebiet Landschaftsökologie und Naturschutz (Fachbereich 9)

 

Arnd Miels – die Vertrauensstelle

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In der Grundschule war ich ein sehr stiller, unterdurchschnittlicher Schüler. Die Inhalte waren in meinen Augen eher künstlerisch und trafen damit nicht so sehr meine naturwissenschaftliche Neigung. MINT-Schwerpunkte waren damals noch nicht etabliert. Zudem war ich nicht gut in Sport. Als weiterführende Schule wurde eine Sonderschule empfohlen. Meine Mutter hat sich aber dafür eingesetzt, dass ich auf die Hauptschule komme. Dort hatte ich dann auch ganz gute Noten und meine innerer Wunsch mehr zu wissen, „es zu verstehen“ wurde immer deutlicher.

Ich habe dann mit 16 Jahren als erster in einer Firma hier in der Region, wo ich auch geboren bin, eine Ausbildung als Fachkraft für Süßwarentechnik begonnen. Die Idee kam von meiner Mutter, die gemeinsam mit meinem Vater bereits in der Firma gearbeitet hat. Das hat sich aber als sehr passend erwiesen und es wurde sich zudem großartig um mich gekümmert. Als ich mit der Ausbildung fertig war, hat mir der Meister geraten, mir noch andere Firmen anzuschauen. Dem folgend suchte ich und fand in Flensburg in einer Drageefabrik eine Anstellung. In dieser Zeit habe ich mich entschieden, studieren zu gehen. Es hat mich immer interessiert, was hinter den Dingen steckt. In der Ausbildung lernt man häufig nur „So ist es!“ und ich wollte immer gerne noch das „Warum?“ wissen. Und zudem auch die Erkenntnis: Das meiste Geld bekommt man für intellektuelle Arbeit.

Vor dem Studium habe ich noch meine Fachhochschulreife via Fernunterricht - „Telekolleg“ - nachgeholt. Dies begann ich während meines Wehrdienstes, um meine dortige Lebenszeit sinnvoller zu nutzen. An ein Studium dachte ich damals noch nicht wirklich. Viel zu lernen fiel mir nicht schwer. Das habe ich der Hauptschule auch schon immer gemacht. Meine Mutter hat mich dazu motiviert und ich war ja auch sehr wissbegierig. Aber jahrelang noch nach „dem Dienst“/der Arbeit und am Wochenende zu lernen, das durchzuhalten war wirklich schwer für mich, die Abbrecherquote hoch. Meine Vorgesetzten in der Bundeswehr haben mich dabei auch nicht unterstützt. Es war nicht selbstverständlich dort pünktlich wegzukommen und für Präsensunterricht/Prüfungen notwendige Urlaubstage zu erhalten. Auch das Lesen der Lehrmaterialien wurde nicht so gerne gesehen („Illustrierte“ dagegen waren „kein Thema“, fand ich schon merkwürdig…).

Während des Studiums habe ich meine heutige Frau kennengelernt. Wir haben dann relativ bald ein Kind bekommen. Mit Kind durch das Studium zu gehen, war nicht immer einfach. Wir sind dann natürlich beide langsamer gewesen, aber man gewinnt dafür viel Lebenserfahrung. Zum Glück war auch das BAföG-Amt „gnädig“. Und im Endeffekt hat sich die Verzögerung als genau passend erwiesen, da genau zum Zeitpunkt meines Abschlusses meine erste halbe Stelle in der FH geschaffen wurde. Während des Studiums habe ich schon viel als Studentische Hilfskraft bei der Professorin gearbeitet. Aber wirklich damit gerechnet, dass ich gefragt werden würde, ob ich diese Arbeit übernehmen wolle, hatte ich nicht.

Als es dann Jahre später einen Dekan-Wechsel gab, wurde zur zeitlichen Entlastung des neuen Dekans eine zweite halbe befristete Stelle finanziert. Inzwischen, nach weiteren Jahren, konnte diese zudem – nicht ganz problemlos – zu meinen Gunsten entfristet werden, so dass ich nun insgesamt eine volle Stelle habe. Das ist schon schön, schön beruhigend. Dieser Weg demonstriert in meinen Augen sehr deutlich meine Ansicht, dass sich die Dinge im Leben eröffnen und nicht wirklich geplant werden können. Dem zu folgen was Freude bereitet, wo es einen „hinzieht“, lässt den Weg entstehen, nicht „der Karriereplan“.

Was ich jungen (und älteren) Menschen raten würde, die überlegen ob sie wohl dem folgen, was für sie passend ist: Freude, Faszination, ein „WOLLEN“ - wenigstens in Teilen des Bereiches, in dem sie sind. Dann ist es „der rechte Platz“ und die Dinge, die Wege werden sich finden. Und ein gewisses Durchhalten gehört für mich auch dazu. Dann kann man ein Studium und andere Herausforderungen schaffen. Nicht zu früh das Handtuch hinzuschmeißen und das sie sich selbst stützen können, falls mal keine andere Hand zur Hand ist, das wünsche ich den Menschen und Studieninteressierten. Das hilft mir im Leben immer wieder auf die Beine und lässt mich meinen Weg finden. Die Auswahlkriterien Freude, Faszination, hingezogen sein und vor allem ein grundsätzlich gutes Bauchgefühl dazu sind geblieben, lassen meinen Lebensweg immer schöner und in ungeahnter Vielfalt vor mir erscheinen.

Für mich ist die Hochschule übrigens wirklich ein toller Arbeitsplatz, insbesondere durch die Freiräume, die man hier hat. Deswegen bringe ich mich nun ehrenamtlich in die Vertrauensstelle der Hochschule ein, um bei Konflikten aller Art zwischen den Hochschulmitgliedern zu vermitteln. Sie können gerne jeder Zeit mit Problemen an der Hochschule auf mich zukommen!

 

Zusammenfassung eines Interviews

 

Helene Kriwoscheew – der Familienservice

HeleneKriwoscheew2Eingeschult wurde ich noch in Kasachstan, in ein sowjetisches Schulsystem. Als wir 1993 nach Deutschland kamen, kam ich in die zweite Klasse. Am Anfang mussten wir noch relativ häufig den Wohnort und damit auch die Schule wechseln. Aufgrund der schlechten Deutschkenntnisse wurde mir empfohlen, in die Hauptschule zu gehen.

Hier war ich dann eine sehr gute Schülerin, auch Schulsprecherin, wurde allerdings zum Abschluss hin schwanger. Da mir in dem Moment klar war, dass sich meine beruflichen Chancen dadurch zunächst deutlich verschlechtern würden, habe ich alles gegeben und die Schule als Jahrgangsbeste, mit der Zugangsberechtigung zu der gymnasialen Oberstufe, abgeschlossen. Es war für mich auch ein innerer Ansporn zu zeigen, dass es auch anders geht, dass man wegen einer Schwangerschaft in jungen Jahren nicht automatisch bildungsfern ist und alle Klischees erfüllt. Diese Zeit war sehr prägend für mich, insbesondere auch, weil mich viele Lehrer unterstützt und mir zugesprochen haben, dass ich zusehen soll, dass ich weiter komme, um mein Talent nicht zu vergeuden.

Bis es für mich dann aber weiterging, musste ich drei Jahre warten. Denn es gab damals in der Region nicht so viele Möglichkeiten, sein Abitur auf dem Zweiten Bildungsweg nachzuholen und ich fiel zunächst auch durch alle Zugangsvoraussetzungen. Selbst die Kinderbetreuung war damals noch nicht so flexibel wie heute und mein Mann war ebenfalls in der Ausbildung, die Großeltern Vollzeit berufstätig. Zudem war das von der Agentur für Arbeit nicht gerne gesehen, dass ich wieder zur Schule gehe. Die wollten mich lieber direkt in den Arbeitsmarkt vermitteln. Aber ich hatte zum Glück ein Netzwerk von Menschen um mich, die es gut mit mir meinten und mich immer wieder bei meinem beruflichen Ziel unterstützten.

In dieser Zeit hat sich bei mir der Wunsch entwickelt, studieren zu gehen. Vorher dachte ich immer: Eine Ausbildung sei ganz gut für mich und studieren, das kannst Du nicht, das packst Du nicht, schon rein aus finanziellen Gründen. Aber je näher das Abitur rückte, merkte ich, dass ich doch sehr gerne studieren würde, auch weil mein bisheriger Berufswunsch sich irgendwann relativiert hatte und ich gleichzeitig andere Interessen und Begabungen entdeckt habe. In Psychologie hatte ich während der Schule sehr gute Noten, aber mit Wirtschaft hatte ich vorher eigentlich noch nichts zu tun. Deswegen habe ich mich kurzfristig entschieden ein Aufbaujahr in den Fächern VWL und BWL an der Berufsschule zu machen, um zu erfahren, ob mir das überhaupt liegt. Obwohl mir viel Unverständnis aus meinem Umfeld entgegengebracht wurde, warum ich weiter zu Schule gehe, würde ich allen raten, den Berufswunsch vor Eintritt in die Ausbildung oder das Studium noch zu überprüfen, um einen Abbruch zu vermeiden.

Ich schwankte damals noch zwischen der Entscheidung, ob es Wirtschaftsjura oder doch Psychologie sein sollte. Wobei ich auf der Berufsschule schnell feststellen musste, dass mir zwar die Wirtschaftsfächer lagen, Wirtschaftsrecht aber so gar nicht meins war. In der Zwischenzeit wurde an der Fachhochschule in Bielefeld der Studiengang Wirtschaftspsychologie eingeführt, der wie für mich gemacht schien. Viele konnten nicht verstehen, warum ich mit meinen Leistungen nicht an eine Universität ging und nicht etwas „Vernünftiges“ studierte, aber ich fand gerade die Fächerkombination und das Anwendungsorientierte an einer FH sehr reizvoll.

Natürlich war das wieder ein großer Schritt und eine ziemliche Umstellung. Aber ich hatte das Glück, dass ich neben meinem Mann ganz intensiv von meinen Schwiegereltern unterstützt wurde. Die haben nie in Frage gestellt, was mein Mann und ich machten, sondern standen uns immer zur Seite.

Es muss aber nicht unbedingt jemand aus der eigenen Familie sein, der einen unterstützt, der einem sagt: Du kannst das, Du schaffst das! Es ist genauso hilfreich, wenn es außenstehende Personen sind, die man durch die Schule oder andere Einrichtungen kennenlernt, die das Potential in einem sehen. Ich glaube heute gibt es auch deutlich mehr Unterstützung und Möglichkeiten. Insgesamt also eine gute Zeit, sich beruflich umzuorientieren und auch wenn im Umfeld niemand studiert hat, diesen Schritt zu gehen.

Mein Studium habe ich natürlich nicht in der Regelstudienzeit geschafft. Diesen Ehrgeiz habe ich mir zum Glück irgendwann genommen, da mir meine Familie wichtiger war als schnell Karriere zu erreichen. Ich habe zudem noch ein Praktikum und eine Werkstudententätigkeit gemacht und meine Bachelorarbeit bei einem Unternehmen geschrieben, um praktische Erfahrungen zu sammeln.

Während dieser Zeit habe ich dann angefangen, mich zu bewerben. Und als ich die Stellenausschreibung vom Familienservice der Hochschule Ostwestfalen-Lippe gesehen habe, dachte ich gleich: „Mensch! Das ist super! Das ist genau das, was Du mit Kind während Deines Studiums erlebt hast.“ Ich habe mich im Studium natürlich damit beschäftigt, wie man die Situation von Studierenden mit Kindern verbessern könnte, gerade auch für Alleinerziehende, die nicht so viel Rückendeckung von Ihrem Partner erfahren können, wie ich. Und ich finde, die Hochschule OWL ist da schon auf einem guten Weg, Möglichkeiten zu schaffen. Auch das Projekt Studienpioniere trägt in meinen Augen zu mehr Familienfreundlichkeit und der Verbesserung der Studienbedingungen an der Hochschule bei, einfach in dem man die Diversität der Studierenden berücksichtigt und die Vielfältigkeit präsent macht.

 

Zusammenfassung eines Interviews

 

Alexander Sommer - der Master-Student

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Mein Ausgangspunkt war Fachabitur und eine Berufsausbildung.

Nach meiner Ausbildung wurde ich auf Grund der Wirtschaftskrise 2009/2010 nur für 6 Monate übernommen und war dann 9 Monate arbeitssuchend bevor ich mit dem Studium begann. In der Zeit habe ich mich mit ALGII und Nebenjobs über Wasser gehalten.

Zur Zeit bin ich Master-Student und habe im Sommer 2014 meinen Bachelor an der HS-OWL gemacht.

Ich habe eine SHK Stelle in der Nutzerberatung, habe 2013 ein Gewerbe angemeldet im Bereich der Medienproduktion, arbeite in einem Jugendzentrum in Bielefeld in dem ich Konzerte veranstalte und ein kleines Team leite.

Meine Schwierigkeiten waren meine Eltern und die Finanzierung des Studiums. Meine Eltern sind Arbeiter und haben für mich als idealen Weg gesehen nach der Ausbildung einfach weiter zu arbeiten und “Geld zu verdienen”. Außerdem wollte ich eigentlich nicht nochmal die Schulbank drücken, wahrscheinlich durch den Einfluss meiner Eltern. Ich dachte auch, dass ich kein Bafög erhalten würde und der bürokratische Aufwand dazu viel zu hoch ist.

Mir hat ein sehr guter Freund geholfen. Er ist mit mir zum Tag der offenen Tür gefahren und wir haben uns über den Studiengang Medienproduktion informiert. Mein Freund hat ebenfalls studiert und konnte mich überzeugen, dass ein Studium sehr viel Spaß macht und einen weiter bringt.

Ich würde diesen Weg definitiv nochmal gehen. Ich habe mich geistig und intellektuell weiter entwickelt und bin sehr froh diesen Weg gegangen zu sein.

Junge Menschen die zweifeln, ob sie studieren sollen oder nicht, sollten keine Scheu haben sich zu informieren.

Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass es mir einfach an Informationen gefehlt hat. Jeder der wirklich studieren will, kann es tun. Und ich denke, viele zweifeln auf Grund der Finanzierung des Studiums und der Vorstellung, dass es so wird wie in der Schule bzw. dass man zu “dumm” ist zum Studieren. Mit den richtigen Informationen wird einem schnell klar das ein Studium wirklich Spaß macht sowie die eigenen Interessen fördert und das Finanzielle sich schnell und einfach regeln lässt.

 

 Oliver Herrmann - der Hochschulpräsident

Herrmann

 

Angefangen hat eigentlich alles nach meinem Abitur. Da wurde mir klar, dass ich nicht studieren werde oder besser: nicht studieren kann. Unsere finanzielle Lage innerhalb der Familie ließ das nicht so zu. Und so entschied ich mich zuerst für eine duale Ausbildung zum Diplom Verwaltungswirt bei der Bezirksregierung Detmold.

Im Rahmen dieser Ausbildung gab es auch eine Praxisstation an der Hochschule für Musik in Detmold. Dieser Abschnitt meiner Ausbildung hat mich derartig beeindruckt, dass er meinen weiteren Werdegang bis heute geprägt hat. Mich hat dort besonders die Organisation von zahlreichen Fachleuten zu einer bestimmten Thematik und die Nähe zu den Studierenden fasziniert.

Ich war mir von da an völlig sicher wie mein weiterer beruflicher Werdegang aussieht: Ich wollte an eine Hochschule. Und zwar nicht nur als Studierender, wissenschaftlicher Mitarbeiter oder Professor, sondern in die Leitung. Dieser Gedanke traf mich wie ein Blitz und ließ mich nicht mehr los. Irgendwann würde ich in der Hochschulleitung arbeiten – das war für mich klar. Meine Familie und Freunde belächelten meine „fixe Idee“. Aber ich hatte genug Ehrgeiz, mich diesem Ziel in vollem Umfang zu widmen. Deswegen überlegte ich mir zu diesem Zeitpunkt einen Plan, der sich in zwei Schritte gliedern lässt. Erstens, nach meiner abgeschlossenen Ausbildung möchte ich unbedingt einen Job an einer Hochschule. Zweitens überlegte ich mir, welche Urkunden oder Zertifikate ich brauchte, um mein Ziel, eine Hochschule zu leiten, zu erreichen.

Und so wartete mein erster Job nach der Ausbildung nicht lange auf mich: Ich fing in Vollzeit an der Universität Bielefeld als Verwaltungsleiter der Fakultät für Rechtswissenschaft an. Und weil das allein mich meinem Ziel nicht näher gebracht hätte, machte ich gleichzeitig ein Aufbaudiplom als Verwaltungswirt und fing außerdem ein Jurastudium an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster an. Das war schon sehr anstrengend. Allein der räumliche Unterschied zwischen Bielefeld und Münster machte mir Probleme. Ich lernte überwiegend im Selbststudium und mein Privatleben blieb in dieser Zeit oft auf der Strecke.

Nachdem ich mein Juraexamen hatte, promovierte ich an der Johann Wolfgang Goethe Universität in Frankfurt zu einem hochschulrechtlichem Thema: Berufung von Professorinnen und Professoren.
Ich bin davon überzeugt, dass genau diese Thematik mich weitergebracht hat und dass
das mein Alleinstellungsmerkmal ist. Schon während meiner Ausbildung hat mich das Wissenschaftsmanagement fasziniert und genau das war es auch, was mich schlussendlich antrieb Hochschulleiter zu werden.

Allerdings war das ein langer und auch schwieriger Weg. Nach meinen Weiterbildungen und dem Job an der Fakultät für Rechtswissenschaft an der Uni Bielefeld wechselte ich intern und wurde zum Verwaltungsleiter der Fakultät für Chemie. Danach verschlug es mich an die Uni Paderborn, wo ich als Personaldezernent tätig war. Und danach, ich war gerade 38 Jahre alt, sollte ich mein Ziel erreichen: Ich wurde Kanzler an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Aber irgendwas fühlte sich immer noch nicht richtig an. Ich war am Ziel, aber nicht Zuhause. Ich muss gestehen, dass ich stolz und glücklich bin Lipper zu sein. Und ich wollte wieder zurück in meine Heimat. Deswegen bin ich nun auch sehr glücklich, Präsident der Hochschule Ostwestfalen-Lippe zu sein und mein Wissen hier einbringen zu können und somit auch für meine Heimat etwas zu bewegen. Der Weg als Mitglied einer Hochschulleitung von einer Universität an eine Fachhochschule ist eigentlich recht unüblich und ich denke, es gibt nur wenige, die diesen Schritt gegangen sind. Doch dadurch habe ich viele neue Erkenntnisse gewonnen. Wenn ich heute so zurückdenke, dann würde ich absolut nichts anders machen, denn ich habe mein Ziel mit meinen damaligen Entscheidungen erreicht. Allerdings begegneten mir auf meinem Weg auch zahlreiche Schwierigkeiten. Arbeiten, Studieren, Promovieren – und alles irgendwie zeitlich parallel – Das war schon anstrengend. Das kostete mich viel Zeit und so blieben mir die Freuden des Studentenlebens oder ein Privatleben lange weitestgehend verwehrt. Ich hätte sicherlich einfach kündigen können und Vollzeit studieren, aber wovon hätte ich dann alles finanziert? Dazu hatte ich nicht den Mut. Auch hat mir mein Job immer viel Spaß gemacht. Deswegen nahm ich lieber das Risiko, vielleicht schlechtere Noten zu haben, in Kauf. Früher stieß ich oft mit meinem ehrgeizigen Lebensweg auf Ablehnung. Verständnis hatten nur Wenige. Zum Glück gehörten zu diesen Wenigen meine Eltern und meine beiden Brüder, die mich unterstützt haben wo sie nur konnten. Und das obwohl sie anfangs meinen Plan belächelten. Doch mit der Leitung unserer Hochschule kam auch das private Glück: Meine Frau, mein Sohn und ich fühlen uns hier in Lippe sehr wohl.

Heutzutage beginnt endlich ein Umdenken in der Gesellschaft. Es gibt Projekte wie Studienpioniere oder Vereine wie Arbeiterkind.de, die Menschen helfen, ihre Ziele zu erreichen und sie unterstützen. Und obwohl es immer noch häufig schwierig und anstrengend ist, glaube ich, dass jeder den Weg gehen sollte, den er gehen möchte. Jeder sollte an sich glauben. Und jeder kann mal hinfallen. Die Kunst liegt darin wieder aufzustehen und Rückschläge als Stärkung der eigenen Persönlichkeit zu sehen.